Wissenswertes

Wissenswertes über Amerikanische Miniaturpferde

Miniaturpferde zeigen eine große Vielfalt an Typen: vom arabischen Typ über Quarter- und Paint-Looks bis hin zu Appaloosas in Miniatur. In den letzten Jahren hat sich jedoch vor allem der arabische Typ durchgesetzt, da zusätzlich Einkreuzungen von amerikanischen Shetlandponys sowohl Bewegungspotential als auch Eleganz verbessert haben. Dennoch müssen alle Minis unter 86 cm (34″) bleiben, gemessen am letzten Mähnenhaar.

Persönlich bevorzuge ich Minis zwischen 80 und 85 cm, also zierliche, ausdrucksstarke Pferde mit eleganter Erscheinung und kraftvollen, aber nicht übertriebenen Bewegungen. Außerdem sollen sie sowohl in der Präsentation als auch vor Sulky oder Kutsche eine gute Figur machen.

Da mich die Champagne-Farbe mit ihren vielen Nuancen schon lange fasziniert, habe ich mein Zuchtprogramm darauf ausgerichtet. Mit meinem Hengst Ridgehavens Cocoa aus alten Linien begann dieser Weg, und inzwischen leben seine Qualitäten in Kindern und Enkeln weiter. Gleichzeitig habe ich mir über die Jahre einen starken Stamm bewährter Mutterstuten aufgebaut.

Um Typ und Ausstrahlung weiter zu veredeln, werden gezielt moderne Linien eingekreuzt. Vor allem Los Arboles Idols Claim To Fame ergänzt die Cocoa-Linie durch elegante, freundliche und leistungsstarke Nachkommen.

Da mir jedes meiner Minis als Persönlichkeit am Herzen liegt, bleiben die meisten Pferde ein Leben lang bei mir. Entsprechend verfolge ich eine eher klassische Zuchtphilosophie, bei der Mutterfamilien über Generationen aufgebaut werden. So kann ich ohne modischen Druck Schritt für Schritt meinem Ideal näherkommen – und dabei die Entwicklung meiner Pferde in Ruhe genießen.

American Miniature Horse – das Pferd für Jedermann

Der Gesamteindruck eines American Miniature Horse sollte der eines kleinen, feingliedrigen und ausbalancierten Pferdes sein. Ein amerikanisches Miniaturpferd von guter Qualität sollte Stärke, gute Bewegungen und Aufmerksamkeit gepaart mit einem eifrigen und freundlichen Wesen besitzen. Sein Gebäude sollte so korrekt sein wie das jeder größeren Pferderasse.

Um ihre Größe zu bestimmen, misst man Amerikanische Miniaturpferde im Gegensatz zu anderen Pferderassen am letzten Haar der Mähne und nicht am Widerrist. Alle bei der AMHA (American Miniature Horse Association) registrierten Miniaturpferde dürfen ausgewachsen höchstens 86cm (34 Zoll) messen. Das AMHR (American Miniature Horse Registry) erkennt Miniaturpferde in zwei Abteilungen an: Abteilung A ist für Pferde mit einer Größe von 86cm (34 Zoll) oder darunter, während Abteilung B für Pferde mit einer Größe von bis zu 97cm (38 Zoll) gilt.

Haltung und Nutzung

Amerikanische Miniaturpferde sind sehr ökonomisch in der Haltung. Das Füttern und Pflegen kostet etwa ein Viertel des Betrags, den Sie für die Haltung eines durchschnittlich großen Warmblutpferdes ausgeben müssten. Detaillerte Informationen zur Haltung und wie wir unsere Miniature Horses halten, habe ich im Beitrag „Die Haltung von Amerikanischen Miniaturpferden“ beschrieben.

Außer Reiten gibt es eine Vielzahl von Aktivitäten, die Sie mit einem American Miniature Horse unternehmen können. 

American Miniature Horses werden weltweit in Halter- und Performance-Klassen gezeigt. Halter-Klassen dienen weitgehend der Gebäudebeurteilung. Sie werden danach gerichtet, welches Tier dem im jeweiligen Regelwerk festgelegten Standard of Perfection (Rassestandard) am nächsten kommt. Zu den Performance-Klassen gehören Hunter, Jumper, Trail an der Hand sowie Showmanship und Kostümklassen. Darüber hinaus gibt es je nach Art, Stil und Bewegung der Pferde viele verschiedene Fahrklassen.

Kleine Kinder können größere Miniaturpferde durchaus reiten. Kleine Miniaturpferde hingegen können perfekte Therapiepferde sein, wenn sie die Eignung dazu haben. Miniaturpferde sind die perfekte Wahl für Menschen, die aufgrund von Alters- oder Gesundheitsproblemen oder Platzmangel kein großes Pferd mehr halten können oder wollen. Für diese Personen kann das American Miniature Horse der ideale Begleiter sein und Aktivitäten anbieten, die sonst nicht mehr möglich wären.

Intelligent, menschenbezogen, leicht zu trainieren und pflegeleicht: American Miniature Horses sind großartige Pferde für Jung und Alt, erfahrene Pferdemenschen oder Anfänger, körperlich gesunde oder eingeschränkte Menschen. Das American Miniature Horse ist das Pferd für jedermann!

Geschichte des amerikanischen Miniaturpferdes

Entstehungsmythen
 

Es gibt eine Vielzahl von Mythen über die Ursprünge des American Miniature Horse. Die meisten von ihnen wurden kreiert, um die Rasse von anderen kleinen Ponyrassen abzuheben und sie in etwas Besonderes und Einzigartiges zu verwandeln.

In den USA hat man kleine Ponys bis zur Gründung des AMHR im Jahr 1971 nicht als Miniatures bezeichnet. Die Bezeichnung Miniature Horses erfolgte in der Hoffnung, sie von registrierten und nicht registrierten Shetlandponys abzuheben. Man hoffte, dass dadurch eine höhere Nachfrage nach diesen kleinen Pferden und auch höhere Preise entstehen würden.

Ein Mythos, der sogar Eingang in Wikipedia fand, ist der von europäischen Königshäusern, die über Hunderte von Jahren gezielt kleine Pferde gezüchtet haben sollen. Es heißt dort, dass diese Pferde die Gefährten kleiner Kinder und eine von kleinen Shetlandponys getrennte Rasse waren. Ein weiterer Mythos besagt, dass Miniaturpferde ausschließlich aus Großpferden herausgezüchtet wurden. Die Wahrheit ist, dass das American Miniature Horse seine Wurzeln hauptsächlich beim Shetlandpony hat. 

Über Shetlandponys

Die ursprünglichen Shetlandponys sind sehr robuste Tiere mit kompaktem Gebäude und extremer Winterhärte. Dies ermöglichte es ihnen, im rauen Klima der Shetlandinseln, ihrer Heimat für viele Jahre, zu überleben und sogar zu gedeihen. Sie wurden als kleine Zugpferde und für Kinder verwendet. Dies änderte sich 1847, als das Parlament ein Gesetz verabschiedete, welches die Kinderarbeit in den Kohlengruben untersagte. Dies führte zu einer großen Nachfrage nach kleinen Shetlandponys, die als Grubenponys verwendet werden sollten.

Die Nachricht vom Boom der kleinen Ponys fand schnell ihren Weg von Europa in die USA. Kurz darauf folgten die ersten Importe kleiner Shetlandponys. Der American Shetland Pony Club (ASPC) wurde 1888 gegründet. Er ist einer der ältesten Rasseverbände in den Vereinigten Staaten. Die erste Ausgabe des ASPC-Zuchtbuchs wurde 1893 veröffentlicht. 36 der 72 eingetragenen Ponys hatten maximal 97 cm (38 Zoll) gemessen am Widerrist. Die Gründer des Registers wollten eine zuverlässige Aufzeichnung der Stammbäume und Besitzer für American Shetland Ponys führen. Das Zuchtbuch ist geschlossen, was bedeutet, dass nur Ponys mit ASPC-registriertem Vater und Mutter als amerikanisches Shetlandpony registriert werden können.

Aus Shetland Pony wird Miniature Horse

In den 1960er Jahren spezialisierten sich viele Farmen in den USA auf die Zucht von Shetlandponys in Miniaturgröße. Aufzeichnungen und Stammbäume waren nicht immer sorgfältig gepflegt worden. Einige Miniatur-Züchter bevorzugten die interessanteren Mythen aus Marketinggründen sehr. Sie entschieden sich dafür, ihre bis dahin dokumentierten Shetland-Pony-Stammbäume entfallen zu lassen. 

Die große Nachfrage und die hohen Preise ließen zudem wenig Rücksicht auf korrektes Gebäude und Genauigkeit des Stammbaums zu. Damalige Züchter wurden bei ihren kleinen Pferden nicht selten mit Equidem Zwergwuchs, verursacht durch einen Gendefekt, konfrontiert. Es stellte sich schnell heraus, dass ein Stutbuch für Miniaturpferde erforderlich war.

Zusätzlich zu den Miniaturpferden, die bereits in den USA gezüchtet wurden, importierten viele Züchter weiterhin kleine Ponys aus Argentinien, England, Holland und Belgien. Es fehlte ein Stutbuch, eine Dokumentation der Stammbäume, ein eigener Rassestandard und Schauen mit zugelassenen Richtern. Dadurch hatten die Züchter einen großen Nachteil gegenüber anderen Pferderassen. Zudem forderten auch die Käufer zunehmend eine bessere Dokumentation der Abstammung ihrer Pferde.

Gründung des American Miniature Horse Registry (AMHR)

Das American Miniature Horse Registry (AMHR) wurde 1971 gegründet. Man vereinbarte, dass es im Besitz des ASPC ist und von diesem verwaltet wird. Den Miniaturzüchtern räumte man über einen Ausschuss das Mitspracherecht ein. Es wurden nur Miniaturpferde mit einer Größe von 86 cm oder weniger zugelassen. Die Ausschussmitglieder änderten die Messmethode auf die letzten Haare der Mähne. Es war ein Kompromiss zwischen der Messung oben am Widerrist und in der Mitte des Rückens. Die 34 Zoll waren ebenfalls ein Kompromiss. Anfangs diskutierte man ein Größenstandard von 32 Zoll (81 cm) oder 36 Zoll (91 cm). Der erste Standard of Perfection (Rassestandard) wurde 1974 geschrieben. 1986 beschlossen die Zuständigen, das AMHR-Register um eine Abteilung für Pferde bis zu 97 cm (38 Zoll) zu erweitern.

Viele der anfangs eingetragenen Tiere wurden mit unbekanntem Vater und Mutter registriert, obwohl es leicht möglich gewesen wäre, ihre Herkunft auf das amerikanische Shetlandpony zurückzuführen. Tatsächlich gibt es berühmte Shetlandhengste wie Gold Melody Boy, Charro of Arenosa oder Rowdy, die Gründungshengste für das American Miniature Horse von heute sind. Neben dem Shetlandblut importierten die Züchter auch Falabellas aus Argentinien, um zum American Miniature Horse beizutragen.

Das AMHR Stutbuch ist seit 1994 geschlossen. Seitdem müssen Pferde AMHR-registrierte Elterntiere haben, um sie beim AMHR eintragen zu können. Es ist jedoch möglich, ASPC- oder AMHA-registrierte Pferde über Hardshipping zu registrieren, wenn sie die entsprechenden Anforderungen erfüllen. Pferde anderer Rassen oder Pferde ohne Papiere können nicht eingetragen werden.

Gründung der American Miniature Horse Association (AMHA)

Die American Miniature Horse Association (AMHA) wurde 1978 gegründet. Zu den Gründern gehörte Leon B. Blair, der den Vorsitz des Ausschusses führte, welcher den Standard of Perfection für das AMHR verfasste. Er stellte auch die erste Finanzierung für die neue AMHA bereit. Der Verein verabschiedete einen Standard of Perfection, der weitgehend auf dem Standard basiert, den Blair zuvor für das AMHR geschrieben hatte. Die AMHA bot zweimal an, das AMHR vom American Shetland Pony Club zu kaufen – 1979 und erneut 1983 -, aber der ASPC lehnte beide Male ab.

Die AMHA hat ihr Stutbuch 1987 offiziell geschlossen, es besteht jedoch auch hier die Möglichkeit des Hardshipping. Jedes Pferd – egal welcher Abstammung oder auch ohne Papiere – kann registriert werden. Um auf diesem Weg eingetragen zu werden, müssen Pferde offiziell von einem Regionaldirektor oder auf einer von der AMHA anerkannten Show gemessen werden. Sie müssen dem AMHA Standard of Perfection entsprechen und ein DNA-Test ist ebenfalls erforderlich.

Unterschied zwischen American Miniature Horse und American Shetland Pony

Der größte Unterschied zwischen dem American Miniature Horse und dem American Shetland Pony ist die Tatsache, dass der ASPC – anders als AMHR und AMHA – tatsächlich ein Zuchtverband im eigentlichen Sinn ist. Das Zuchtbuch ist geschlossen und nur Ponys von ASPC-registrierten Eltern können als amerikanisches Shetlandpony registriert werden. Sowohl beim AMHR als auch AMHA ist der Hauptfaktor für die Eintragung die Größe des Pferdes. Beide Verbände haben keine geschlossenen Zuchtbücher. Sie erlauben die Registrierung von Pferden von nicht registrierten Eltern, wenn auch innerhalb bestimmter Einschränkungen.

Dies bedeutet, dass es möglich ist, ein amerikanisches Shetlandpony als Miniaturpferd zu registrieren, wenn es den Anforderungen des jeweiligen Verbandes entspricht. Ein Miniaturpferd hingegen kann niemals als amerikanisches Shetlandpony registriert werden.

Amerikanische Miniaturpferde in Deutschland

Besonders in Deutschland scheint sich hartnäckig die Annahme zu halten, dass Miniaturpferde grundsätzlich maximal 34 Zoll (ca. 86 cm) groß sein dürfen und bei der AMHA registriert sind. Die deutschen Zuchtverbände legten die AMHA als Ursprungszuchtbuch fest. Dementsprechend sollte auch die Größe maximal 34 Zoll betragen.

Völlig außer Acht gelassen wurde, dass es mit dem AMHR schon Jahre vor der AMHA einen Verband für American Miniature Horses gab. Genauso wenig wird auf die B-Division des AMHR mit Pferden bis maximal 38 Inches (97 cm) eingegangen. Ob dies aus Unwissenheit oder Ignoranz so war, lässt sich kaum beantworten.

Änderung der Zuchtverbandsordnung 2021

Mit dem Boom der etwas größeren American Miniature Horses überdachten die deutschen Zuchtverbände die bestehenden Regelungen und überarbeiteten sie. Im Juli 2021 beschloss die FN eine entsprechende Änderung. Der American Shetland Pony Club (AMHR) ist seitdem die Organisation, welche im Sinne der Vorgaben der EU das Zuchtbuch über den Ursprung der Rasse American Miniature Horse führt. 

Die Pferde werden in zwei Sektionen eingeteilt:

  • unter 34 Inch bzw. unter 87 cm (Under Division gemäß AMHA)
  • von 34 Inch bis 38 Inch bzw. von 87 cm bis 97 cm (Over Division gemäß AMHR)
(Text: Conni Schneider, mit freundlicher Genehmigung)

„Und was macht man nun mit denen?“ Immer wieder werde ich gefragt: „Warum hältst du dir Miniaturpferde, da kann man ja nicht mal drauf reiten.“ Den Minipferden wird vorgeworfen doch nur nutzlose (und noch dazu teure) Spielzeuge zu sein, die kaum einen Zweck erfüllen.

Mal ganz ehrlich, seit wir Pferde nicht mehr zu Militärzwecken oder als Fortbewegungsmittel brauchen, seit Maschinen die Landwirtschaft übernommen haben, ist doch jedes Pferd, egal wie groß, zum (Frei-)Zeitvertreib geworden. Wir halten uns Pferde aus einem einzigen Grund: Zu unserem persönlichen Vergnügen. Pferde machen einfach Spaß! Tja und das machen Minipferde auch:

  • Sulky fahren und dabei richtig Gas geben
  • 2-, 3- und 4-spännig fahren – je mehr, desto schöner
  • Schleifen, Zöpfe und Blumen in Pferdemähnen flechten
  • Pferde zu lebendigen Leinwänden machen
  • Reiten – Wenn man klein genug ist
  • Kuscheln
  • Agility mit Pferd
  • An Wettbewerben teilnehmen und sich mit anderen messen
  • Lieb haben, Spaß haben, Lebensfreude genießen!
 Hier gibt es übrigens eine sehr schöne Liste mit Fakten zu Minis:

Wer erinnert sich nicht an den Amazon Prime Werbespot mit dem Miniaturpferd*, welches durch eine Hundeklappe mit ins Haus geht? Schenkt man dieser und ähnlichen Darstellungen Glauben, könnte man fast meinen, die Haltung von Amerikanischen Miniaturpferden in der Wohnung ist gang und gäbe.

Nicht selten werden Miniaturpferde oder Miniponys als Spielgefährte für Kinder oder als lebendige Rasenmäher angeboten, welche man problemlos im Garten halten kann. Aus Unwissenheit oder Ignoranz heraus („ist ja nur ein Pony“) schaffen sich manche Menschen ohne vorherige Information ein Minipferd an. Dieses fristet dann ein klägliches Dasein allein hinter dem Haus, schlimmstenfalls völlig verfettet aufgrund von falscher Fütterung.

Jedes Miniaturpferd, und sei es noch so klein, bleibt trotzdem ein Pferd. Es stellt dieselben Ansprüche und Anforderungen an die Haltung wie seine großen Artgenossen. Der einzige Unterschied sind die geringeren bzw. niedrigeren Abmessungen für Ställe und Zäune.

Als grobe Richtlinie für die Haltung von Amerikanischen Miniaturpferden können in Deutschland die „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ dienen. Darin gibt es auch konkrete Rechenbeispiele für Abmessungen, z.B. für die Größe von Boxen oder Unterständen, der Zaunhöhe und weiteres.

In § 2 TierSchG ist festgelegt:

„Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

  1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
  3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.“

Miniaturpferde brauchen Artgenossen

Pferde und Ponys sind grundsätzlich Herdentiere. Sie dürfen auf keinen Fall alleine und ohne Sozialkontakt zu anderen Pferden gehalten werden. Schafe oder Ziegen sind kein gleichwertiger Ersatz für einen Artgenossen. Und selbst Esel sind nicht ideal, da diese in der Natur in ganz anderen Strukturen leben. Die Haltung von Amerikanischen Miniaturpferden zusammen mit Großpferden, etwa zur Gesellschaft und als Beistellpferd für das Großpferd, ist nicht ohne Risiko. Selbst ein spielerischer Tritt des großen Pferdes kann beim Minipferd schwerste Verletzungen verursachen und schlimmstenfalls zum Tod führen. Ideal ist die Haltung in der Herde zusammen mit anderen Miniaturpferden oder Ponys ähnlicher Größe.

Wir haben mit unseren American Miniature Horses die Beobachtung gemacht, dass sie im Allgemeinen recht sozial und verträglich mit Artgenossen sind. Die Integration von neuen Pferden in die bestehende Herde war bei uns bislang immer unproblematisch. Es gab nach kurzem Beschnuppern einige Quietscher, aber das war fast immer alles was an „Action“ stattfand. Natürlich stellen wir Neuzugänge nicht einfach auf die Weide zu den anderen Minipferden. Die Eingliederung erfolgt schrittweise – zuerst mit ein oder zwei eher rangniedrigen Tieren, danach mit dem Rest der Herde. Aber auf diese Art und Weise läuft die Eingewöhnung sehr unspektakulär und vor allem auch stressarm und verletzungsfrei für alle Beteiligten ab.

Miniaturpferde brauchen Platz

Pferde egal welcher Rasse und Größe sind Lauftiere. Unter natürlichen Bedingungen sind sie bis zu 16 Stunden täglich in Bewegung. In der Regel passiert dies meist beim Fressen, also eher im Schritt. Daeshalb ist die Haltung von Amerikanischen Miniaturpferden auf engem Raum (z.B. in der Box) und eine halbe Stunde intensives Training mit schneller Bewegung kein Ersatz. Egal ob Zuchtstute, Freizeitpony oder Miniaturpferd im Showtraining – jedes Pferd bzw. Pony sollte die Möglichkeit zu artgerechter Bewegung haben. Die „Amis“ sind zudem recht lebhaft und vor allem die Jungpferde spielen gern und viel.

Das muss nicht unbedingt heißen, dass ein Miniaturpferd auf mehreren Hektar Weide gehalten werden muss. Aber es sollte zumindest so viel Fläche vorhanden sein, dass auch mal ein Stück Galopp möglich ist und nicht gleich nach zehn Metern der nächste Zaun kommt. Und wo wir gerade beim Thema Zaun sind: viele Amerikanische Miniaturpferde sind erheblich weniger dickfellig und auch lange nicht so kreativ beim Ausbüxen wie ihre nordischen Verwandten. Ein normaler dreireihiger Elektrozaun mit durchgehend mindestens 4.000 Volt hat bei uns immer ausgereicht. Einmal gelernt, hat kein Mini versucht daraus zu entkommen. Ebenfalls bewährt hat sich eine Kombination aus Wildzaun (Knotengeflecht) und Elektrozaun mit Abstandhalter, um zu verhindern dass die Minis direkt mit dem Wildzaun in Kontakt kommen.

Wer nur über wenig Fläche verfügt, aber seinen (Miniatur)Pferden trotzdem ein möglichst artgerechtes Leben bieten will, sollte sich mit der Haltungsform des „Paddock Trail“ (ursprünglich auch als „Paddock Paradise“ bezeichnet) näher beschäftigen. Dieses System hat der ehemalige Hufschmied Jamie Jackson in den USA entwickelt. Grundlage ist hierbei ein Wegesystem beispielsweise um die Weide herum. So kann man den Pferden auf geringer Grundfläche möglichst große Bewegungsanreize bieten.

Linktipp: https://www.offenstallkonzepte.com/paddock-trail/

Miniaturpferde brauchen ein Dach über dem Kopf

Auch wenn Amerikanische Miniaturpferde im Normalfall sehr robust sind und ein dickes Winterfell bekommen, sollten sie trotzdem nicht dauerhaft ohne Witterungsschutz gehalten werden. Kein Pferd fühlt sich wohl, wenn es lange Zeit schutzlos bei 3°C im Dauerregen ausharren muss. Aber auch das andere Extrem, die „Käfighaltung“ in engen dunklen Boxen mit nur wenig Auslauf ist nicht artgerecht. Ideal ist die Haltung auf der Weide mit Unterstand oder im Offenstall mit angeschlossenem Auslauf. Dabei können die Pferde selbst wählen, ob sie drin oder draußen sein möchten.

Linktipp: https://www.offenstallkonzepte.com/offenstallwissen/

Als guter Kompromiss vor allem für unsere Minis, die auch auf Shows gezeigt werden, hat sich die Haltung in Paddockboxen mit zusätzlichem Weidegang erwiesen. So kann man jedes Pferd individuell füttern und es gibt keinen Stress durch Futterneid. Trotzdem ist die Möglichkeit für Umweltanreize und Bewegung gegeben. Unsere Paddocks sind mit Kunststoffgittern (Ecoraster und Riedwiesenhof-Platten) befestigt. Dadurch sind sie ganzjährig komplett matschfrei. Die Außentüren sind nahezu immer offen, jedoch mit Streifenvorhängen aus Kunststoff versehen. Die Minis lernen sehr schnell, dass sie problemlos hindurchgehen können. Gleichzeitig werden durch die Lamellenvorhänge Fliegen und Zugluft ferngehalten.

Bezugsquellen für Paddockplatten/Kunststoffgitter:
https://www.ecora.de/produkte/bodengitter/
http://www.riedwiesenhof.eu/

Miniaturpferde brauchen eine trockene Liegefläche

Typisch für alle Pferde, egal ob groß oder klein, sind mehrere über den Tag verteilte Ruhephasen. Pferde ruhen oft im Stehen, aber sie schlafen auch in Brust- oder Seitenlage. Fühlen Pferde sich nicht sicher und unkomfortabel (etwa bei nassem und matschigem Boden), legen sie sich nicht hin. In den Leitlinien wird deshalb gefordert, dass den Pferden arttypisches Ruhen möglich sein muss. Dafür muss eine „ausreichend groß bemessene, trockene und verformbare Liegefläche“ zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass bei Haltung von Amerikanischen Miniaturpferden im Stall eine entsprechende Einstreu vorhanden sein muss. Die Haltung auf blanken Gummimatten, um Einstreu und Arbeit zu sparen, ist nicht artgerecht!

Man kann sich als Pferdehalter aber natürlich das Leben etwas leichter machen. Wir nutzen seit einigen Jahren anstelle von Stroh eine Einstreu aus Strohpellets. Diese werden mit etwas Wasser angefeuchtet, quellen auf und zerfallen. Wir verwenden pro 15 kg Sack Pellets eine knappe 5 l Gieskanne Wasser. Das ergibt eine krümelige und trockene Einstreu.

Je nach Flächengröße sollte man vor allem für die Ersteinstreu nicht zu sparsam sein. Wir haben in unseren knapp 3 x 4 m großen Boxen etwa zwei Drittel der Fläche mindestens 10 cm hoch eingestreut. Beim Misten nimmt man nur die Pferdeäpfel heraus. Das geht ganz schnell und einfach mit einer engzinkigen Kunststoff-Mistgabel. Wir streuen ggf. einmal pro Monat nach, alles tauschen wir erst nach mehreren Monaten oder sogar nur einmal jährlich. Durch die Zugabe von Rotteförderer (Fa. Plocher) in die Grundeinstreu riecht es im Stall überhaupt nicht nach Pferd. Der Mist – es sind minimale Mengen – verrottet sehr schnell und wird zu wertvollem Humus.

Linktipp: http://www.plocher-pferde.de/

Bezugsquellen für Strohpellets:
https://www.strohpellets-strohgranulat.de/
https://www.htn-heros.de/

Fazit

Es gäbe noch vieles mehr über die Haltung von Amerikanischen Miniaturpferden und die eine oder andere Besonderheit rund um Minis im Stall zu schreiben. Aber das würde hier den Rahmen sprengen. Stattdessen gibt es noch einige Fotos von unserem Stall zu sehen. Und Fragen sind natürlich auch immer willkommen :-).

* Zum Schluss noch eine Anmerkung zu dem Miniaturpferd im Amazon-Werbespot:
Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Dwarf. Das bedeutet, es ist kein normal gesundes kleines Pferd bzw. Pony. Vielmehr ist das Tier ein Beispiel für einen krankhaften Gendefekt, den Equiden Zwergenwuchs. Auf den ersten Blick sind diese Pferdchen überaus niedlich. Aber wer genauer hinschaut und sich zudem auch informiert, erkennt schnell die Vielzahl an gesundheitlichen Problemen und Beeinträchtigungen.

(Text: Conni Schneider, mit freundlicher Genehmigung)