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Schlitten fahren mit Pferden und Ponys? – Aber sicher!

Schlittenfahren mit kleinen Pferden ist ein großer Spaß!

Schlittenfahren mit Pferd ist gerade wieder voll im Trend. Und es macht ja auch Spaß! Ganz Deutschland ist verschneit und allerorten ziehen Pferdemädchen ihre ahnungslosen Pferde und Ponys aus den Ställen und spannen sie vor altersschwache Rodelschlitten. Damit, was als harmloser Spaß beginnt, aber nicht im Desaster endet, gilt es ein paar Dinge zu beachten. 
Ich habe mal ein paar Aspekte zusammengetragen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Sie sind lediglich Tipps und Ideen aus meiner Erfahrung beim Rodelschlittenfahren mit Miniaturpferden.

1. Die Ausbildung deines Pferdes

Dein Pferd sollte ein paar Dinge wirklich gut beherrschen, bevor du einen Rodelschlitten dahinterknotest. Ich sage bewusst Rodelschlitten, denn damit sind wohl die meisten „Gelegenheits-Schlittenfahrer“ von uns unterwegs. Ich auch. (Für einen echten Pferdeschlitten gelten andere Regeln.)

Dein Pferd sollte wirklich gut auf Stimmkommando anhalten und dann auch sicher stehenbleiben. Schon ab Shetty-Größe zieht dich dein Pferd zur Not über die Leinen, du hast also nur sehr begrenzt eine Bremse in der Hand. Sei dir dessen bewusst! So ein Schlitten wiegt nichts und wenn genug Schnee liegt, braucht das Pferd kaum Kraft, um ihn zu ziehen. Außerdem hast du keine Schere am Schitten und kein Hintergeschirr. Wenn du also zum bremsen an den Leinen ziehst, ziehst du dich unter Umständen an dein Pferd heran. Es sollte also wirklich auf ein Stimmkommando anhalten können. Meine Pferde meinen, Leckerli wirken Wunder bei der Einübung dieser speziellen Lektion.

Womit wir gleich bei Punkt zwei sind. Es wird dir passieren, dass du sehr nah ans Pferd kommst oder ihm vielleicht sogar in die Hacken fährst. (Übe unbedingt auch selber, deine Füße in den Schnee zu rammen, damit der Schlitten bremst, falls das Pferd mal unerwartet anhält.) Dein Pferd sollte also genug Gelassenheit mitbringen, um Berührungen – auch plötzlicher Natur – an den Hinterbeinen zu ertragen. Hast du ein Pferd, das bei Erschrecken ausschlägt? Dann hänge dich auf keinen Fall mit einem Rodelschlitten dahinter, denn so ab Hafigröße hast du deinen Kopf in bester Hinterhuf-Höhe! 

Übe vorher auch, dass dein Pferd Leinen an den Beinen erträgt. Ihr werdet euch am Anfang verheddern! Auch hier hilft es, wenn das Pferd dann stehenbleibt und nicht in Panik gerät. Überhaupt sagte ich schon, wie wichtig stehenbleiben und stillstehen ist? Man kann es nicht oft genug betonen.

Ich habe festgestellt, dass Schlittenfahren eine gnadenlose Überprüfung der Ausbildung und Disziplin meiner Pferde ist. Wenn dein Pferd vor der Kutsche mal ein bisschen zappelt oder sich dreht, ist das zwar nicht wünschenswert, aber es passiert weiter nichts. Wenn sich das Pferd vor dem Rodelschlitten zu dir umdreht, rückwärts oder seitwärts driftet oder nicht wirklich geradeaus vorwärtsgeht, verheddert ihr euch in den Zugsträngen und Leinen. Dann heißt es absteigen, die Ruhe bewahren, alles wieder sortieren, aufsteigen, weiter. (Keks nicht vergessen! – Anmerkung von Magic und Fame)

Selbst meine sehr routiniert gefahrenen Pferde waren vor dem Schlitten zunächst immer erstmal verwirrt. Das Zuggefühl ist ein anderes, der Mensch sitzt viel tiefer und der Schlitten schwankt gerne mal von rechts nach links hinter dem Pferd. (Vor allem wenn die Fahrerin das mit dem Lenken immer nicht hinbekommt.) 

Zudem sieht die ganze Welt anders aus. Magic zum Bespiel hat sich vor dem dunklen und nassen Asphalt gefürchtet, als wir vom Schnee auf die Straße kamen. Asphalt ist sonst wirklich kein Problem. Stellt euch also darauf ein, dass sich eure Pferde erstmal vor Dingen wundern, die sonst völlig normal sind.

Magic hat den Dreh raus – Schlittenfahren macht Spaß!

2. Die Ausrüstung von Pferd und Schlitten

Oft sieht man auf Videos im Internet wie ein Rodelschlitten einfach mit Stricken am Pferd befestigt wird, am besten noch mit Doppelknoten, dann wird ein Kind draufgesetzt und los geht es. Fast genauso oft sieht man dann Videos, wie Ponys durchgehen und der Schlitten hinter dem immer panischer werdenden Pferd hinterherfliegt. Was sich für Klickzahlen immer gut macht, bringt euer Pferd und euch in Lebensgefahr! Und selbst wenn nichts passiert, ist das Pferd hinterher oft so verängstigt, dass ihr das Schlitten- oder Kutschefahren erstmal vergessen könnt. Und das wäre doch schade!

Es empfiehlt sich also, in ein paar kleine Dinge mit großer Wirkung zu investieren:

  • Ein gut passendes Geschirr ist nicht nur für die Kutsche sinnvoll, sondern genauso auch vor dem Schlitten. Ich empfehle außerdem einen Strangträger, der vom Schweifriemen zu den Zugsträngen geht, damit die Zugstränge nicht gar so durchhängen.
  • Ein Ortscheit!!! Das kann man gar nicht laut genug sagen. Auch vor einen Schlitten und sei es ein leichter Rodelschlitten gehört ein Ortscheit, an dem die Zugstränge befestigt werden. Knotet die Zugstränge bitte nicht direkt an den Schlitten! Ihr macht eurem Pferd das Leben mit einem Ortscheit sehr viel leichter.
  • Sicherheitsschäkel zwischen Zugsträngen und Ortscheit mit einem Schüsselring. In diesen Schlüsselring knotet ihr ein Sicherheitsbändchen, das ihr in der Hand haltet. Hier könnt ihr im Notfall dran ziehen und der Schlitten löst sich vom Pferd. Wenn euer Pferd durchgeht, ihr vom Schlitten fallt oder ähnliches, läuft euer Pferd vielleicht ohne euch weiter, aber es kann nicht in Panik verfallen, weil es einen herrenlosen Schlitten hinter sich her schleudert. Kleines Safety-AddOn, große Wirkung!
  • Ich fahre meine Pferde vor dem Schlitten lieber gebisslos als mit Trense, aber das ist nur begingt zu empfehlen. Mal abgesehen von allem, was so Versicherung betrifft, sollte euer Pferd es kennen, gebisslos gelenkt und gebremst zu werden. Die Vorteile für mich sind, dass ich gebisslos nicht so sensibel einwirken muss wie auf Trense (ich entwickele mich auf dem Schlitten immer zum Grobmotoriker und habe irgendwie nie genug Hände…). Solltet ihr euer Pferd beim Schlittenfahren mal zwischendurch verlieren, hängen die Leinen außerdem nicht im Maul. Das bedeutet, wenn das Pferd auf die Leinen tritt, reißt es sich nicht das Maul blutig. 
  • Ich mag ja bekanntlichermaßen den Equizaum von Equimero. Hier könnt ihr auch schnell mit zwischen Gebiss und gebisslos wechseln, wenn es sich anbietet. So habe ich das mit Magic gemacht. Ich bin mit Gebiss gestartet und als ich mir dann sicher war, dass unser Stopp auch wirklich sitzt, habe ich die Leinen in den Sidepull-Ringen festgemacht.
  • Für alle Pferdemädchen über 40 empfehle ich außerdem ein Kissen – vorzugsweise mit Wärmefunktion – auf dem Schlitten. Holla, sind die Dinger unbequem! 

Fazit:

Ihr habt ein braves, mutiges und gut ausgebildetes Pferd? Ihr habt ein bisschen mehr in Ausrüstung investiert, als nur den alten Rodelschlitten vom Dachboden zu holen? Es liegt Schnee und die Sonne scheint? Na, worauf wartet ihr noch? Los geht’s! Habt Spaß mit euren Pferden – yehaaaw! 

Und hinterher eine heiße Tasse Schokolade für euch und eine Extraportion Leckerli für das Pferd, denn es hat eine wirklich ungewohnte Übung gemeistert.

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